Don Ciccio (1)

Ein kleiner sizilianischer Witz: Fünf deutsche gehen an einem Samstag abends essen. Sie kommen zu früh.

Vom Besen herausgefegt drehen wir noch mal eine Runde über den Corso, die Fußgängerzone von Bagheria. Überall Weihnachtssterne und getöpferter Kitsch, dafür singt wenigstens niemand Last Christmas. Der Wind bläst die billigsten Zelte weg, doch lässt es sich mit dünnem Pullover trotz dem nahenden dritten Advent gut aushalten. Kurz vor zwanzig Uhr stehen wir wieder vor der Tür, sind immer noch zehn Minuten zu früh, und werden hereingelassen.

Antipasto. Der Don hatte eine Mutter und diese Mutter eine Kneipe. Und in dieser Kneipe gingen stetig diejenigen Landarbeiter aus und ein, die auf dem Weg zu ihrem Feld waren. Sie aßen ein Ei und tranken einen Kurzen, gefüllt mit süßem Dessertwein namens Zibibbo. Warum zur Hölle sie das immer machen mussten übermittelt die Legende nicht, nur, dass der Don das irgendwie toll fand, seine Mutter mag und deshalb jedem Gast, der vorbeikommt, direkt ein Ei und ein Schnapsglas mit Wein unter die Nase hält. Wohl bekomm’s.

Primo. Wir versuchen aus der Karte schlau zu werden, Preise stehen aber nur an kleinen Schildern an den Wänden. Der Kellner kommt, zeigt auf gefühlt 90% der Gerichte auf der Karte und sagt, das alles gäbe es heute nicht, den Rest bereite man jedoch gerne für uns zu. Er geht wieder und wir gucken uns verwirrt an. Letztendlich entscheidet sich jeder von uns für eine der wenigen Makkaronivariationen und bekommen kurz vor dem Schmaus ein Lätzchen umgebunden, als wären wir beim Hummeressen. Jemand holt die Kamera heraus, es werden Fotos gemacht - ich tue so, als würde ich niemanden kennen. Nachdem die Nudeln auf dem Tisch sind ist jedoch auch dem Letzten klar, warum der Kellner jedem von uns diesen Essschutz übergebunden hat: Makkaroni verhalten sich äußerst störrisch und werden nur noch wilder, wenn man versucht, sie zu bändigen. Als Mordwaffe steht nur die Gabel zur Verfügung, also gilt es, das Beste daraus zu machen und sich ordentlich einzusauen. Mit meiner Sauce, con Sarde, bin ich durchaus zufrieden: Völlig zerbratene Sardellen mit Rosinen. Verrückt, aber selbst für einen Grätenhasser wie mich ziemlich raffiniert und mit der Saisonfrucht Fenchel clever abgeschmeckt.